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Silvio Meier-Doku: Im neuen Jugendzentrum Silvio-Meier-Haus sind Rechtsextreme unerwünscht: Reservat für junge Linke

Ein Jugendzentrum speziell für Linke und Ausländer soll in Lichtenberg entstehen. Denn sie scheuen meist den Weg in die normalen kommunalen Jugendklubs. "Unsere Erfahrung zeigt, dass dort häufig rechte Jugendliche ihre Freizeit verbringen", sagt Julia Schnegg. Sie ist Vorsitzende des Vereins Iskra, der selbst gestaltete Jugendkultur fördern will. Iskra hat das Konzept für den bewusst "linken" Jugendklub entworfen. Zufall sei es nicht, dass Jugendliche aus der linken Szene und junge Ausländer sich nicht in die kommunalen Jugendklubs trauten, sagt Schnegg. Dort praktizieren die Mitarbeiter meist "akzeptierende Sozialarbeit": Sie soll rechte Jugendliche von der Straße holen und ihnen Angebote für die Gestaltung der Freizeit machen. Darüber hinaus sollen rechte Jugendliche in dieser Umgebung zwangslos mit anderen in Kontakt kommen. Dieses Konzept sei nicht aufgegangen, weil Jugendliche anderer Hautfarbe und mit anderem Aussehen nur selten willkommen seien, sagt Julia Schnegg. Deshalb wolle ihr Verein mit dem Jugendkulturzentrum eine Art Gegenpol schaffen. Iskra plant ein Haus, in dem sich bisher ausgegrenzte Jugendliche angstfrei bewegen können. Dort solle es linken Jugendlichen möglich sein, Nachmittage und Abende zu verbringen, ohne wegen ihres Aussehens mit rechten Jugendlichen in Konflikt zu geraten. "Da es in Lichtenberg viele rechte Jugendliche gibt, ist gerade dort ein solches Jugendkulturzentrum wichtig", sagt Julia Schnegg. Benannt werden soll die Einrichtung nach Silvio Meier. Der Hausbesetzer war im November 1992 von Rechten im U-Bahnhof Samariterstraße erstochen worden. Der Verein Iskra denkt aber nicht nur an Musikkurse und Partys für das Jugendkulturzentrum. Geplant sind auch Veranstaltungen, die sich mit Geschichte und dem Nationalsozialismus befassen. Bisher kein Gebäude gefunden Wo das Silvio-Meier-Haus seinen Sitz haben wird, ist noch unklar. Der Bezirk Lichtenberg will den Verein Iskra aber bei der Suche nach Räumen helfen. "Wir sind bereit, dem Verein Gebäude zur Verfügung zu stellen", sagt Bürgermeister Wolfram Friedersdorff (PDS). Bisher hätte sich aber kein geeignetes Haus gefunden. Die Idee des Vereins unterstütze er. "Es ist richtig, dass die rechte Kultur in Freizeiteinrichtungen des Bezirks zugenommen hat." Zwar gebe es beispielsweise Ausländer-Projekte, um dagegen anzusteuern. "Doch oft bleiben die Ausländer unter sich." Mit dem Jugendkulturzentrum gebe es die Chance, deutsche und ausländische Jugendliche zusammenzubringen. Die Jugendlichen verwalten sich selbst // Das Konzept: Seit einem Jahr ist das "linke" Jugendkulturzentrum geplant. Es soll Jugendlichen ermöglichen, ihre Freizeit dort zu verbringen und an politischen Veranstaltungen teilzunehmen. Ziel ist es, Jugendliche nicht dem rechten Spektrum zu überlassen. Die Einrichtung soll von Jugendlichen verwaltet werden. Der Verein: Der Verein Iskra hat rund 20 Mitglieder und betreut antirassistische Projekte sowie Bildungsseminare in Berlin. Er wurde 1992 gegründet.

Erschienen in Berliner Zeitung am 2000-10-25