Weitere Projekte auf www.antifa-berlin.info

Silvio Meier-Doku: Für Silvio Meier auf die Straße

Berlin: Gedenkdemonstration erinnert am Samstag an vor neun Jahren erstochenes Neonaziopfer

»Silvio Meier zu gedenken ist das eine, all jene zu unterstützen, die auch heute gegen Faschos und staatlichen Rassismus aufstehen, das andere«, faßte Claudia Hartje vom Berliner Vorbereitungsbündnis der diesjährigen Silvio-Meier-Gedenkdemo das Anliegen der Demonstranten gegenüber junge Welt zusammen. Seit Jahren organisieren Berliner Antifaschisten alljährlich diese Demonstration. Am Sonnabend findet sie zum neunten Mal statt.

Am Abend des 21. November 1992 war der damals 27jährige Hausbesetzer Silvio Meier im U-Bahnhof Samariterstraße im Berliner Bezirk Friedrichshain von Neonazis erstochen worden, als er mit mehreren Freunden auf dem Weg zu einer Party war. Nachdem die acht Neofaschisten die Linken attackierten, riß Silvio Meier einem der Angreifer einen Aufnäher mit der Aufschrift »Ich bin stolz, Deutscher zu sein« von der Jacke. Kurz darauf gingen die Neonazis auf ihre Gegner mit Messern los. Ein Messerstich verletzte Meier so stark, daß er verblutete. Zwei seiner Freunde überlebten trotz schwerer Wunden. Polizei und Medien verharmlosten die Tat als »Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Jugendbanden«.

Freundinnen und Freunde der Opfer brachten nach der Tat im U-Bahnhof einen Gedenktafel an, vor der alljährlich am Todestag eine Mahnwache abgehalten wird. Vergangenen Mittwoch versammelten sich wieder 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In den zurückliegenden Jahren war die Gedenktafel mehrfach beschmutzt oder gar gestohlen worden. Sie wurde aber immer wieder rekonstruiert. In diesem Zusammenhang spielen auch die Berliner Verkehrsbetriebe eine unrühmliche Rolle: Anfang 2001 beabsichtigten die Verkehrbetriebe als »Hausherr« des Bahnhofsgeländes, die Tafel zu entfernen, weil damit das »subjektive Sicherheitsempfinden« der Fahrgäste gestört würde. Proteste konnten das bisher verhindern.

In den vergangenen Jahren beteiligten sich oft mehr als tausend Menschen an der Gedenkdemonstration. Mehrfach kam es dabei zu Übergriffen der Berliner Polizei. 2000 wurden zwei Antifaschistinnen von Beamten der 23. Berliner Einsatzhundertschaft bewußtlos geschlagen. »Trotz gezielter Einschüchterungsversuche in den vergangenen Jahren werden wir es uns auch diesmal nicht nehmen lassen, unser Anliegen auf die Straße zu bringen«, so Claudia Hartje.

* Auftakt der Demo: Sonnabend, 14 Uhr, Ostbahnhof. Abends: Ska-Soliparty für Silvio Meier im RAW Tempel (ab 21 Uhr in der Revaler Straße 99) mit den »Ruffians«, »Green Means Go« und »Sunday Afternoons«

Erschienen in junge Welt am 2000-11-24